← Alle Projekte
[MT]

01

Kabelkiez

Masterthesis, Berlin-Köpenick 2026


Jahr
2026
Ort
Berlin-Köpenick
Typ
Masterthesis
Team
Hanna Klose, Malte Schulz

Kabelkiez

Städtebaulicher Entwurf für das brachliegende Kabelwerk Köpenick — ein 66.000 m² großes Industrieareal am Nordufer der Müggelspree. 912 Wohneinheiten in einem gemischt genutzten Quartier, das die denkmalgeschützten Etagenfabriken bewahrt und mit zeitgenössischen Neubauten in Holzelementbauweise ergänzt.

Ort & Geschichte

Das Grundstück liegt zwischen der Friedrichshagener Straße, der Müggelspree und der Salvador-Allende-Brücke — 66.000 m² Industriebrache mit 490 m Uferkante am Nordufer der Spree. Hier baute die C. J. Vogel Telegraphenfabrik 1916 ihr Kabelwerk Köpenick. Nach Kriegsende ging es als SAG-Betrieb in sowjetische Hand, wurde 1952 zum VEB Kabelwerk Köpenick und schließlich Teil des Kabelkombinats Wilhelm Pieck. Mit der politischen Wende kam Mitte der 1990er Jahre die Stilllegung; seitdem liegt das Areal brach.

Erhalten sind vier denkmalgeschützte Gebäude — die beiden fünfgeschossigen Etagenfabriken Ost und West, das Pförtnerhäuschen und die Werksmauer — sowie zwei nicht geschützte, aber das Straßenbild prägende Kopfgebäude. Sie tragen die Geschichte des Ortes weiter und bilden den Ausgangspunkt jeder Überlegung.

Das Areal am Nordufer der Müggelspree
Das Areal am Nordufer der Müggelspree
Etagenfabrik West und Werksmauer entlang der Friedrichshagener Straße
Etagenfabrik West und Werksmauer entlang der Friedrichshagener Straße

Konzept

Architektur ist nicht nur das Schaffen neuer Räume, sondern das Bewahren von Geschichte und Transformieren von existierenden Räumen.

Der Entwurf basiert auf dem Dialog von Alt und Neu: Die Bestandsgebäude werden behutsam mit zeitgenössischen Neubauten ergänzt. Ziel ist ein Ort, der soziale Mischung, Nachhaltigkeit und urbane Vitalität vereint — ein lebendiger Kiez am Wasser mit industrieller Geschichte.

Entwurfspiktogramm — trichterförmige Baukörper und U-förmige Höfe am Wasser
Entwurfspiktogramm — trichterförmige Baukörper und U-förmige Höfe am Wasser

Städtebau

Zur stark befahrenen Friedrichshagener Straße schließt sich das Quartier mit trichterförmigen Baukörpern, die zwischen den Gebäuden halboffene Höfe nach Süden und zum Wasser hin öffnen. An der Uferkante sind U-förmige Bauten mit Innenhöfen angeordnet. Die Höhenentwicklung verläuft abstufend zum Wasser — Sonneneinstrahlung und Blickbezüge werden maximal ausgenutzt. An der Ecke Friedrichshagener Straße / Salvador-Allende-Straße markiert ein Hochpunkt mit Bürofläche den städtebaulichen Auftakt.

Schwarzplan 1:2500 — das Quartier im Kontext Köpenicks
Schwarzplan 1:2500 — das Quartier im Kontext Köpenicks
Lageplan 1:1000
Lageplan 1:1000
Geländeansicht Straße — abgestufte Höhenentwicklung zum Wasser
Geländeansicht Straße — abgestufte Höhenentwicklung zum Wasser

Nutzung

Wohnen bildet die Hauptnutzung: 912 Wohneinheiten in unterschiedlichen Typologien — vom 1-Zimmer-Apartment bis zur 6-Zimmer-Wohnung, 30 % davon gefördert. Gewerbe belebt die Erdgeschosszonen und das Zentrum des Quartiers: Café mit Rösterei, Buchhandel, Friseur, Galerie, Töpferei, Atelierräume. Im Pförtnerhäuschen findet ein Museum zur Geschichte des Kabelwerks seinen Platz. Eine Kita, ein Supermarkt, ein Wassersportverein an der Spree und ein Mobility Hub mit Carsharing und E-Mobilität vervollständigen die Mischung. Tiefgaragen entlang der nördlichen Bebauung ermöglichen ein autofreies Quartier.

Nutzungsverteilung im Quartier
Nutzungsverteilung im Quartier
Erdgeschoss-Grundriss 1:600
Erdgeschoss-Grundriss 1:600

Vertiefung

Die Vertiefung zoomt auf die westliche Mitte des Grundstücks — den Bereich um die Etagenfabrik West, das Pförtnerhäuschen, ein neues Atrium- und ein Laubenganggebäude. Hier trifft Bestand auf Neubau und zeigt das Zusammenspiel im Detail: In den Obergeschossen der Etagenfabrik entstehen großzügige Lofts, das Erdgeschoss füllt sich mit Café, Buchhandel, Friseur und Galerie. Zwischen Bestand und Neubau spannt sich ein Gemeinschaftsgarten mit Hochbeeten. Der Marktplatz öffnet sich über eine breite Freitreppe zum Uferweg, der das gesamte Quartier durchzieht und für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt.

Vertiefung — Grundriss Erdgeschoss 1:200
Vertiefung — Grundriss Erdgeschoss 1:200
Gemeinschaftsgarten zwischen Bestand und Neubau
Gemeinschaftsgarten zwischen Bestand und Neubau
Atrium im Atriumgebäude
Atrium im Atriumgebäude
Hof im Laubenganggebäude
Hof im Laubenganggebäude
Uferweg an der Müggelspree
Uferweg an der Müggelspree

Konstruktion

Der Erhalt der Bestandsgebäude bewahrt deren gebundene graue Energie. Die Neubauten werden in Holzelementbauweise errichtet — überwiegend nachwachsende Baustoffe, geringer CO₂-Fußabdruck. Die rote Backsteinfront der Etagenfabriken bleibt sichtbarer Anker; die Putzfassaden der Neubauten unmittelbar daneben sind in neutralem Beigeton gehalten, weiter im Inneren des Quartiers in erdigen und grünlichen Tönen. Extensiv begrünte Dächer mit aufgeständerter Photovoltaik, Anschluss ans Fernwärmenetz und eine weitgehend versickerungsfähige Außenraumgestaltung tragen das Nachhaltigkeitskonzept.

Materialcollage
Materialcollage
Fassadenschnitt Laubenganggebäude 1:25
Fassadenschnitt Laubenganggebäude 1:25
Vertiefung — Ansicht West, Bestand und Neubau im Zusammenklang
Vertiefung — Ansicht West, Bestand und Neubau im Zusammenklang

Material

Backstein (Bestand), mineralischer Putz, Holzelementbauweise, Stahl


Nächstes Projekt → 02